Erleben Sie unsere denkmalwerten Kirchen in Wort, Bild und Ton

Das Buch "Stein Licht Klang" gibt einen facettenreichen Einblick

"Stein Licht Klang": Das Buch illustriert das Anliegen unserer Stiftung und lädt zum Musikgenuss ein. Die beigefügte CD wurde in den Kirchen von Lengerich, Laggenbeck und Mettingen eingespielt.

„Stein Licht Klang“ heißt das Buch, das die denkmalwerten Kirchen im Evangelischen Kirchkreis Tecklenburg ausführlich in Wort und Bild vorstellt. Unsere Stiftung hat den Band 2014 in der Reihe „Sound- and Landscapes“ des münsterischen Verlages MUSICOM herausgegeben. Profifotograf Johannes Kalsow hat dafür alle Kirchen in beeindruckenden Totalen, aber auch aus vielen detailverliebten Blickwinkeln heraus abgelichtet. Jedes der vierseitigen Kapitel hat die Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Böhm mit einem knapp gehaltenen, aber informativen Blick in die lokale Kirchengeschichte ausgestattet.

Doch damit nicht genug, wie der Name der Buchreihe verrät: Die beigefügte CD (73 Minuten Spieldauer) wurde in der Stadtkirche Lengerich, der Johanneskirche Laggenbeck und der Mettinger Kirche aufgenommen und präsentiert unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Antonio Vivaldi und Felix Mendelssohn Bartholdy. Ulrike Lausberg, musikalische Organisatorin des Bandes, schreibt im Abspann: „Durch die Musik wird den Steinen der denkmalwerten Kirchen im Tecklenburger Land Leben eingehaucht. Sie bietet den Betrachtern der Bilder in diesem Buch die Möglichkeit, die kirchlichen Räume ganz individuell auf sich wirken zu lassen.“

„Stein Licht Klang“ (ISBN 978-3-943508-09-3) ist im MUSICOM-Verlag (www.musicom.de), im Buchhandel und direkt beim Kirchenkreis Tecklenburg (Sonnenwinkel 1, Telefon 0 54 82 68-381) für 19,80 Euro erhältlich.

 

Unsere Stiftungsabende - Information, Austausch, Gemeinschaft

Johanneskirche draußen vor der Stadt - mitten im Leben - Stiftungsabend am 23. September 2020

Das Bild zeigt den neu konstituierten Vorstand und das Kuratorium der Stiftung zusammen mit dem Referenten Andreas Oehlke (6. v. l.) und den Gemeindepfarrern Dr. Dirk Schinkel (4. v. r.) und Andreas Groll (ganz rechts) vor der Johanneskirche. Foto: Christine Fernkorn

Rheine. „Seit 18 Jahren gibt es die Stiftung denkmalwerte Kirchen im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg“, so Superintendent André Ost. Erstmals finde der Stiftungsabend in der Gemeinde Johannes zu Rheine statt. Kuratorium und Vorstand der Stiftung, die sich an diesem Tag neu konstituiert hätten, seien froh, dass es trotz der Corona-Situation möglich sei, den Stiftungsabend anbieten zu können. Im Jahr 2008 habe die Gemeinde das hundertjährige Jubiläum der Kirche gefeiert. Die Festschrift verfasste der Historiker Dr. Andreas Oehlke aus Rheine. „Er hat die Geschichte der Gemeinde intensiv mit dem damaligen Gemeindepfarrer Harald Klammann, recherchiert“, so Ost. Deswegen habe das Kuratorium ihn auch zum Vortrag am Stiftungsabend eingeladen.

„Die Johannesgemeinde in Rheine verdankt ihre Entstehung einer langwierigen Emanzipierung gegenüber der Mutterkirche „Jacobi“ und ist eine bewusste Antwort auf die Industrialisierung. Die soziale Frage habe den gesamten Stadtteil der Arbeitervorstadt betroffen, berichtet der Historiker Andreas Oehlke. Eine kleine evangelische Kerngemeinde von hundert Köpfen unter Leitung von Pfarrer August Ziegner gründete sich in Rheine 1938. Geistliches Zentrum ist damals noch die alte Bönekers-Kapelle. 1873 folgt mit der Jakobi-Kirche der erste eigene Kirchbau. Dies, so der Referent, sei der erste Höhepunkt der Gemeindeentwicklung der Evangelischen in Rheine gewesen.

„Einen wesentlichen Impuls erhielt das kleine Landstädtchen Rheine durch die Begründung der Textil- und Baumwollindustrie noch vor der Jahrhundertmitte. Mit der Eisenbahnlinie Münster-Emden (1856) und die Anbindung an die Fernlinien Salzbergen-Almelo (1865) wurde für die Region ein bedeutsamer Eisenbahnknotenpunkt ausgebildet“, informierte der Historiker. Tausende holländische Arbeitskräfte in Familienverbänden, aber auch aus Ostpreußen und Schlesien kamen nach Rheine. „Nach neuesten sozialpolitischen Erkenntnissen und durchaus engagiert, werden Modellsiedlungen für Arbeiter und ihre Familien in Nähe der Textilfabriken angelegt. „Mit dem Zuzug der neuen Gemeindeglieder erhöhten sich die Aufgaben in der Seelsorge, der pfarramtlichen Betreuung wie auch der Krankenpflege und Religionserziehung“. Die evangelische Gemeinde wächst auf 3500 Mitglieder an.

Ein Betsaal, aus Kostengründen ohne Turm, wurde ins Auge gefasst. Nach vielem Hin und Her kaufte die Gemeinde ein Grundstück an der Periphere der Stadt in Eschendorf. Kurz nach dem Baubeginn beschloss das Presbyterium, die Kirche mit einem Turm zu versehen. „Statt einer rein gotischen Kirche wurde der Kirchbau in seinen Bauformen deutlich vereinfacht. Der neue moderne Jugendstil bricht sich in Form der obersten Turmfenster in der Glockenstube mit der markanten, weitausgestellten Bogenform und den eingestellten mittleren Säulen Bahn“, so Oehlke.

1893 wird eine eigene Pfarrstelle in der Johannesgemeinde errichtet. „Dies war nicht immer konfliktfrei“, berichtet Andreas Oehlke. 1919 folgt ein multifunktionales Gemeindezentrum mit Diakoniestation, Versammlungssaal mit Bühne und Kleinkinderschule (Kindergarten). 1924 wurde die Gemeinde selbstständig. Die Johannesgemeinde erweist sich in der Zeit des Nationalsozialismus als „Hotspot“ gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Offen bieten sich Pfarrer Manz (Bekennende Kirche) sowie Pfarrer Friedrich Karlmeier im Schulterschluss mit dem Nationalsozialisten Walter Dodkott, dem Schulleiter der Luisen- und Ludwigschule, einen Disput.

Nach dem Krieg galt es, die Tausende von Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten zu integrieren. Gut 20 Jahre später sorgte die Bundeswehr mit ihrem Standort Gellendorf für einen erheblichen Zuwachs der Gemeinde.

„Die Johanneskirche ist eine einschiffige neugotische Backsteinkirche und wurde 1908 eingeweiht“, so Pfarrer Andreas Groll in seinen Ausführungen zu Beginn der Veranstaltung. Die Gotik zeige sich beispielsweise in den Spitzbogenfenstern, einem Radfenster über dem Eingang, Bogenfriesen an Schiff und Turm oder den Seitenwangen der Bänke. „Die Architektur dieser Kirche ist nicht einheitlich“, ergänzte Stiftungsvorstand Superintendent i. R. Hans Werner Schneider. Das Gebäude habe „etwas Eigenes“. Die Renovierungsarbeiten in den 1970er Jahren hätten dazu geführt, dass „Innen und Außen nicht mehr zusammenpassten“, berichtete Gemeindepfarrer Groll. Das Betonkreuz im Altarraum sei zum Beispiel so groß gewesen, dass es „fast erschlagend“ auf die Besucher wirkte. Es wurde 1983 entfernt. So sei alles, was den alten Eindruck ausmachte, optisch wieder angepasst worden“, sagte Andreas Groll. In den 1990er Jahren kamen nach der Außenrenovierung des Gebäudes ein Osterkerzenleuchter mit Reliefdarstellungen (Noah und Taube, Kreuzigung, Jordantaufe) sowie neben dem Chor ein großes Relief der Fußwaschung von Joseph Krautwald (Rheine) hinzu. Mit dem Neubau des Gemeindehauses an der Sternstraße erfüllte sich die Gemeinde im Jahr 2015 den langgehegten Wunsch, eine engere Verbindung von Kirche und Gemeinderäumen herzustellen. Fast kreuzgangartig umschließt das Gemeindehaus heute die Johanneskirche, die nach der jüngsten Innenrenovierung hell und freundlich wirkt.

Marlies Beckemeyer, Vorstandsmitglied der Stiftung, informierte die Besucher über Ein-nahmen und Ausgaben der Stiftung und der elf Unterstiftungen: Die Stiftung hat im Jahr 2019 eine Summe von 3.721,18 € aus Zustiftungen erzielt. „Im Vergleich zu 2018 hat die Stiftung 2019 10.000 € mehr an Bilanzsumme erwirtschaftet“, berichtete sie. Sie warb dafür, den Erhalt der historischen Kirche mit einer Spende oder Zustiftung zu unterstützen.

Text: Christine Fernkorn

Vom Wartesaal zur eigenen Kirche in Hörstel - Stiftungsabend zur Geschichte der Friedenskirche am 9. Oktober 2019

Gestalteten gemeinsam den Stiftungsabend (v. l. n. r.): Hans Werner Schneider, Marlies Beckemeyer, Martin Pfuhl, Dr. Klaus Offenberg, André Ost und Kay-Uwe Kopton. Foto: Christine Fernkorn

Hörstel. „Die Friedenskirche in Hörstel hat auf dem Harkenberg eine Besonderheit in der Lage. Sie wurde im Jahr 1901 für eine größer werdende Gemeinde gebaut“, berichtete Superintendent André Ost zur Eröffnung des Stiftungsabends. Erst seit 1993 trage sie den Namen „Friedenskirche“. „Frieden und Versöhnung sind für unseren Glauben zentrale Begriffe“, unterstrich der Superintendent, gerade vor dem aktuellen Hintergrund des Anschlags auf die jüdische Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Im Gedenken an die zwei Getöteten und zwei Schwerverletzten las die Gemeinde gemeinsam die Friedenslitanei von Coventry. Der Chor der Evangelischen Gemeinde Hörstel unter Leitung von Olga Neugum gestaltete die Andacht einfühlsam mit Friedensliedern.

Gemeindepfarrer Martin Pfuhl berichtete aus der Geschichte der Hörsteler Kirche: 1898 kauft die Kirchengemeinde Ibbenbüren das Grundstück. Am 7. April 1901 wurde die evangelische Kirche auf dem Harkenberg eingeweiht. 1902 wird die Alte Schule (damals als Ev. Schule, heute das Gemeindehaus) gebaut. Im gleichen Jahr wird auch der Ev. Friedhof eingeweiht. 1904 beginnt dann der Bau des Pfarrhauses. Architekt des Gesamtensembles war Karl Siebold, Baurat und späterer Leiter des Provinzialkirchlichen Bauamts in Bielefeld-Bethel. Für die Innenraumgestaltung zeichnete sein Mitarbeiter Joseph Campani verantwortlich. In der Zeit des Historismus, die vergangene Epochen aufnahm, gestaltete Siebold die Kirche mit Rundbogenfenstern, Altar, Apsis, Kanzel und Taufstein.

„Die Gemeindeglieder verstanden ihre Kirche als Burg im Sinne des Chorals „Ein´ feste Burg ist unser Gott“, so Martin Pfuhl. 1968-70 wurde die Kirche erweitert, neoromanische Elemente wie die Zinnen wurden zurückgebaut. „Wer sind wir inhaltlich?“, habe sich das Presbyterium 2015 gefragt. Gemeinsam mit dem Amt für Missionarische Dienste machte sich die Gemeinde dann auf den Weg und entwickelte eine Konzeption. „Einladend – engagiert – evangelisch“, dieses Motto sei seitdem wegweisend für die Gemeinde. Zwischen 2016 und 2018 seien die Wege zur Kirche barrieferei gestaltet worden. „Jetzt, so freute sich der Pfarrer, „haben auch Familien mit Kinderwagen und Senioren mit Rollatoren oder Rollstühlen freien Zugang zu unserer Kirche“.

Launig und anschaulich blätterte Oberforstrat i.R. Dr. Klaus Offenberg die Geschichte der Kirche auf. Er forscht ehrenamtlich zur Heimat- und Ortsgeschichte Hörstels. „Eine bessere Wahl für ein Grundstück der Kirche als das auf dem Harkenberg hätten die Protestanten damals nicht treffen können“, betonte er. „Aber warum steht der Altar nicht im Osten und der Turm nicht im Westen?“, fragte er die interessierten Zuhörer. Martin Pfuhl hat da so eine Idee: Vom Hügel aus schaut man direkt zum neuen Bahnhof Hörstel. Dahinter lag das Dorf. Und mit der Fensterrosette blickt der segnende Christus direkt nach Hörstel. Pfuhls Theorie: Der Baumeister hat dieses Bild absichtlich Richtung katholische Kirche Hörstel geplant, sozusagen als Kontrapunkt.

Abenteuerlich gestaltete sich auch die Situation um das Lagerbuch der Ev. Kirche Hörstel von 1911, ein handschriftliches Verzeichnis, in dem alle Besitztümer wie Kirchengebäude oder Forsthäuser aufgeführt werden. „Das Buch“, so Dr. Offenberg“, war 40 Jahre verschwunden. Eines Tages habe ihn Wilhelm Elling, der ehemalige Leiter des Hamaland-Museums Vreden, angerufen. Er erzählte, dass das Buch auf dem Flohmarkt in Aalten/Niederlande angeboten worden sei. Das Ehepaar Pfuhl machte sich auf den Weg und kaufte das Buch für 200 € zurück. „Gut, dass wir das Buch wieder haben“, freut er sich. „Wir wollen einiges wieder so herrichten, wie es Architekt Karl Siebold einst geplant hat.“ Das Rosettenfenster mit dem Christusbild wurde inzwischen restauriert. Zum Advent wird es von innen angestrahlt.

Mit der Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke von Osnabrück nach Rheine im Jahr 1856 vermehrte sich die Anzahl der evangelischen Christen in Hörstel. 1891 wurde in der Nähe des Bahnhofs eine Glashütte erbaut. Hier arbeiteten viele evangelische Glasbläser, deren Kinder Konfirmandenunterricht benötigten. „Damals befand sich die nächste evangelische Kirche in Ibbenbüren“, berichtete Dr. Klaus Offenberg. Superintendent Trockels beauftragte den Kreisvikar Schmiesing deswegen, neun Wochen lang je einmal wöchentlich zu diesem Zweck nach Hörstel zu kommen. „Das lief bis Januar 1892 so, bis die Glashütte Konkurs anmeldete“, so der Referent. Das Bedürfnis nach einer eigenen evangelischen Schule entstand. Da noch immer kein Kirchengebäude für den Konfirmandenunterricht zur Verfügung stand, erteilte das königliche Konsistorium die Genehmigung, die Kinder im Wartesaal III. und IV. Klasse des Bahnhofsgebäudes zu unterrichten. Das gesamte Ensemble aus Kirche, Schule und Pfarrhaus entstand dann in kurzer Zeit zwischen 1901 und 1904.

„Menschen sind das Wichtigste in der Kirche“, unterstrich Hans Werner Schneider, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg, in seiner Ansprache. Die Kirche verstehe er als das Haus der lebendigen Steine. Von ihr und der christlichen Botschaft gingen Friedensimpulse für das Leben und die Gesellschaft aus. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass es im Kirchenkreis 21 denkmalwerte Kirchen gibt, die mit der Unterstützung der Stiftung erhalten werden könnten. Marlies Beckemeyer, Mitglied des Vorstands der Stiftung, freute sich über die gute Beteiligung am Stiftungsabend. Sie stellte das Ergebnis des Rechnungsjahrs 2018 der Stiftung vor. Sie lud alle dazu ein, nachhaltig für die Erhaltung historischer Kirchen zu spenden oder zu stiften.

Text: Christine Fernkorn

„Damit die Kirche im Dorf bleibt - Wandel und Perspektiven gestalten“ - Stifungsabend am 25. September 2018 in Lienen

Trafen sich vor dem Stiftungsabend in der Evangelischen Kirche in Lienen zum Fototermin (1. Reihe v.l.n.r.): Pfarrer Kai-Uwe Kopton, Marlies Beckemeyer (beide Stiftungsvorstand), Referent Reinhard Miermeister, Superintendent André Ost. 2. Reihe v.l.n.r.: Hans Werner Schneider (Vorstandsvorsitzender der Stiftung) und Reinhard Schmitte.

"Sieben Tage die Woche vermitteln wir den Menschen, wie wir uns als Kirche verstehen“, so Reinhard Miermeister, Landeskirchenbaudirektor i. R., in seinem Vortrag zum Thema „Damit die Kirche im Dorf bleibt – Wandel und Perspektiven gestalten“ am Stiftungsabend in der Ev. Kirche in Lienen. Vierzig Personen waren an diesem Abend in die historische Kirche gekommen, um bei Zwiebelkuchen und Federweißer über aktuelle Entwicklungen der Stiftung „Denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg“ informiert zu werden und sich auszutauschen. „Kirchen haben eine Bedeutung für uns alle, egal, ob wir Christen sind oder nicht“, betonte der Referent. Es scheine einen gesellschaftlichen Konsens darüber zu geben, dass es unter sich verändernden Rahmenbedingungen weiterhin Orte der Begegnung und Gemeinschaft geben müsse. „Der Einbau des Gemeinderaums in der Ev. Kirche in Lienen ist ein gelungenes Beispiel dafür“, meinte er. Gute Vorrausetzungen für diese erfolgreiche Umsetzung seien das engagierte Pfarrerehepaar Bethlehem und die aufgeschlossene Kirchengemeinde in Lienen gewesen. Der Gemeinderaum nehme optisch Bezug auf den Kirchraum und sei vom Kirchenarchitekten Bernhard Hirche (Hamburg) gut durchdacht worden.

In der Evangelischen Kirche von Westfalen seien fast die Hälfte aller Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden, so Reinhard Miermeister. Heute sind viele von ihnen zu groß, doch sich elegant von ihnen zu verabschieden, sei schwierig. Stehe eine bauliche Änderung einer Kirche oder eines Gemeindehauses an, sollten die Beteiligten im Vorfeld den notwendigen Bedarf, die Finanzierung, die Machbarkeit und die Frage, ob ein Umbau oder Anbau zielführend sei, klären. „Ich empfehle flankierende Öffentlichkeitsarbeit und die Teilnahme an Architektenwettbewerben“, so der Experte. Dabei sei auch die Frage, ob es um eine Neugestaltung der Kirche oder einen Umbau gehe, zu klären. An spannenden Beispielen aus seinem Alltag als Architekt im Landeskirchenamt veranschaulichte er Möglichkeiten der Nutzungsvielfalt von Kirchengebäuden. So sei eine Kirche in Gelsenkirchen-Hassel zu einem Begegnungszentrum umgebaut worden, in Gelsenkirchen-Buer seien Wohnungen (Sozialer Wohnungsbau) in eine Kirche eingebaut worden, in Bottrop wurden diakonische Einrichtungen ins Umbaukonzept miteinbezogen. Auch eine Kirche, die gezielt zur Jugendkirche umgebaut wurde, stellte er vor. Ein besonderes Konzept finde sich in der Paulikirche in Soest: Hier sind ein Gottesdienstraum und ein Kolumbarium im Kirchraum vereint. Eine Künstlerin hat mit Glaswänden, die sich „Lebenswege“ nennen, beide Bereiche optisch unterteilt. Die Gestaltung solle die Gemeinschaft der Lebenden mit den Toten verbinden.  

Superintendent André Ost (Kirchenkreis Tecklenburg) zog das Fazit: „Es ist eine große Herausforderung, denkmalwerte Kirchen in ihrer Nutzung zu erhalten. Reinhard Miermeister hat uns dazu eindrucksvolle Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt“.

Der Superintendent begrüßte Reinhard Schmitte, den Verwalter des Ev. Friedhofs, der als „Urgestein“ der Gemeinde auch als Nachtwächter in Lienen unterwegs ist. Er brachte den Anwesenden mit einigen Anekdoten aus der Gemeindegeschichte den Kirchraum nahe. „Die Kirche ist ein lebendiger Organismus“, so Reinhard Schmitte. Tränen, Fröhlichkeit, Krankheit, die Kirche habe schon viel Menschliches erlebt. Früher ging man in die Kirche, um anzubändeln. Heute braucht man den Gottesdienstbesuch zu diesem Zweck nicht mehr“, meinte er schmunzelnd.

Die Stiftung „Denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg trägt zur Unterhaltung der Kirchen im Blick auf die Zukunft bei, so Stiftungsvorstand Superintendent i. R. Hans Werner Schneider. Ihr Ziel sei es, das historische Gedächtnis zu fördern. Pfarrer Dr. Wilhelm Wilkens, der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Tecklenburg und langjährige Gemeindepfarrer in Lienen, habe sich für die Gründung dieser Stiftung stark gemacht. Wilhelm Wilkens war im März 2018 verstorben. Die Gäste des Stiftungsabends erinnerten sich an in einer Gedenkminute.

„Ein großer Teil der Zuwendungen, die die Stiftung im Rechnungsjahr 2017 erhalten hat, kommen aus der kreiskirchlichen Kollekte“, berichtete Marlies Beckemeyer, Mitglied im Stiftungsvorstand. Im Kirchenkreis gebe es 21 denkmalwerte Kirchen, deren Erhalt durch die Stiftung ermöglicht werden sollte. Im Jahr 2017 habe die Summe der Zustiftungen 5.338,89 € betragen. Das Kuratorium hoffe auf weitere Unterstiftungen, um die Kirchen in eine gute Zukunft zu führen.

„Wir freuen uns, dass der Stiftungsabend in der Ev. Kirchengemeinde Lienen stattfindet“, betonte Presbyter Dr. Edgar Klinger. Die Gemeinde sei froh, dass es die Stiftung gebe, denn alleine seien Umbauprojekte für Kirchengemeinden nicht zu stemmen. Am Stiftungsabend hatten die Zustifter die Möglichkeit, sich ins Stifterbuch einzutragen.

 

Text und Foto: Christine Fernkorn